Helfer beim Buckelwal "Timmy" (KI-Bild)Expertenstreit um Buckelwal Timmy eskaliert: Trotz massiver Warnungen vor unnötigem Leid startet die private Rettungsaktion.
Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) hat am Mittwoch überraschend einer Privatinitiative um MediaMarkt-Gründer Walter Gunz und Unternehmerin Karin Walter-Mommert grünes Licht gegeben. Der seit dem 31. März in der Kirchsee vor der Insel Poel festsitzende Buckelwal soll mit Luftkissen angehoben, auf einer Plane zwischen zwei Pontons gehievt und per Schlepper in die Nordsee und weiter in den Atlantik gebracht werden.
Am Donnerstag (16. April) liefen die Vorbereitungen auf Hochtouren: Schwimmpontons werden montiert, schweres Gerät angeliefert. Die eigentliche Bergung soll Freitag beginnen. Organisatoren berichten, Timmy habe auf Ansprache reagiert – ein Walexperte und zwei Tiermedizinerinnen konnten Kontakt aufnehmen. Das Blasloch sei intakt, keine Entzündung erkennbar, das Tier wirke ruhig.
Doch genau hier liegt der Konflikt: Wissenschaftler von Whale and Dolphin Conservation (WDC), dem Deutschen Meeresmuseum Stralsund und dem Institut für terrestrische und aquatische Wildtierforschung (ITAW) halten den Plan für „nicht zielführend“. Der zwölf Tonnen schwere Wal sei schwer krank und geschwächt, eine Rettung habe „sehr geringe“ Chancen und würde dem Tier zusätzliches Leid zufügen. Greenpeace beteiligt sich nicht. Das Meeresmuseum wurde nicht einmal einbezogen. Backhaus, der wochenlang auf die Gutachten verwiesen hatte, vollzog eine Kehrtwende und betonte: „Der Wal lebt, er zeigt Regung – diese Chance wollen wir nutzen.“ Die alleinige Verantwortung liege bei den privaten Initiatoren.
Ob Timmy die Aktion überlebt, ist völlig offen. Die Bevölkerung verfolgt das Drama seit Wochen mit Spannung – ein Symbol für den Umgang mit verirrten Meeressäugern in der Ostsee.



