Nach dem Mordurteil gegen die Autoraser von Ludwigsburg eskalierte der Prozess im Landgericht Stuttgart. Die Schwester eines Opfers soll beleidigt, attackiert und verletzt worden sein.

Der Prozess gegen Gürkan U. und Ismail U. endete mit einem der härtesten Urteile, die deutsche Gerichte in einem Raserfall bislang verhängt haben. Der Hauptangeklagte Gürkan U. wurde wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Sein Bruder Ismail U. erhielt wegen versuchten Mordes 13 Jahre Haft. Der Cousin wurde wegen eines verbotenen Kraftfahrzeugrennens und Beihilfe zu einem Jahr auf Bewährung sowie 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Auslöser des Verfahrens war ein illegales Autorennen in Ludwigsburg vor rund einem Jahr. Dabei rammte der Wagen des Hauptangeklagten das Auto zweier unbeteiligter junger Frauen. Beide starben. Das Gericht wertete den Fall nicht als bloßen Verkehrs- oder Raserexzess, sondern als Mord. Genau diese juristische Einordnung machte das Urteil so bedeutend – und für die Familien im Saal emotional maximal aufgeladen.
Unmittelbar nach der Verkündung soll die Lage dann eskaliert sein. Nach Berichten der Stuttgarter Zeitung und der Bild soll die Mutter des Hauptangeklagten die Schwester eines Opfers als „Hure“ beschimpft haben. Daraus entwickelte sich laut den Schilderungen eine gewalttätige Auseinandersetzung. Erst als Justizbeamte eingriffen und Beteiligte trennten, beruhigte sich die Situation wieder.
Der Anwalt der Opferfamilie, Fatih Zingal, sagte laut den Berichten, die Schwester habe eine Verletzung am Kinn erlitten. Ein Cousin der Familie schilderte, sie sei an die Wand gedrückt und fixiert worden und habe sogar geblutet. Statt wie geplant nach dem Urteil den Friedhof des Opfers zu besuchen, musste sie demnach zunächst ins Krankenhaus. Schon an früheren Prozesstagen soll es immer wieder lautstarke Spannungen und Zwischenrufe aus der Familie der Angeklagten gegeben haben.
Damit bekam dieser Fall nach dem Urteil sofort eine zweite Eskalationsstufe. Aus einem ohnehin hochemotionalen Mordprozess wurde binnen Minuten ein neuer Skandal über Respekt, Gewalt und den Umgang der Familien im Gerichtssaal. Juristisch ist ein Urteil gesprochen. Öffentlich dürfte die Debatte jetzt aber noch größer werden – nicht nur wegen des illegalen Rennens und der zwei toten Frauen, sondern auch wegen der Tumulte direkt nach dem Schuldspruch.
