Ein neues Buch nennt zwei ukrainische Ex-Agenten als Drahtzieher von Nord Stream. Belegt ist das bisher vor allem als Recherchethese, nicht als Urteil.

Mehr als drei Jahre nach der Sprengung der Nord-Stream-Pipelines bekommt der Fall eine neue, brisante Wendung. In einem neuen Buch nennen die Autoren zwei ehemalige ukrainische Geheimdienstagenten als zentrale Drahtzieher. Beide sollen ab 2015 von der CIA ausgebildet worden sein.
Die Behauptung geht damit deutlich weiter als der bisher offiziell bekannte Stand. Gesichert ist vor allem, dass deutsche Ermittler seit langem eine ukrainische Spur verfolgen. Reuters berichtete 2025 über Haftbefehle, Festnahmen und Auslieferungsverfahren gegen mehrere ukrainische Verdächtige. Ein abschließendes Gesamtbild liegt aber weiter nicht vor.
Der neue Vorwurf ist deshalb politisch so heikel, weil er nicht nur auf ukrainische Täter zielt, sondern die CIA zumindest als frühen Hintergrundfaktor in die Geschichte hineinzieht. Genau hier ist Vorsicht wichtig: Ähnliche Berichte über CIA-Kenntnis oder CIA-Kontakte gab es bereits, die Behörde hat entsprechende Darstellungen aber stets zurückgewiesen.
Zum bisherigen belastbaren Ermittlungsstand gehört, dass deutsche Behörden von einem Sabotagekommando ausgehen, das mit Tauchern und Sprengstoff arbeitete. Im Zentrum stand immer wieder die Segeljacht „Andromeda“. Reuters berichtete zudem über einen aus Italien auszuliefernden Verdächtigen und über einen weiteren Ukrainer, den Polen nicht an Deutschland überstellen wollte.
Das neue Buch versucht nun, die operative Ebene mit einer Führungsebene zu verbinden. Laut t-online sagen die Autoren, man könne inzwischen benennen, wer die Drahtzieher gewesen seien: zwei ukrainische Ex-Agenten. Genau diese Zuspitzung macht die Geschichte groß, ist aber bisher vor allem eine journalistische Recherchebehauptung.
Wichtig ist auch der Unterschied zwischen Ermittlungsverdacht und politischer Verantwortung. Selbst wenn einzelne Ukrainer beteiligt gewesen sein sollten, ist damit noch nicht automatisch bewiesen, dass die ukrainische Staatsführung offiziell hinter dem Anschlag stand. Reuters hatte schon 2023 über Berichte zu einem ukrainischen Offizier als Koordinator geschrieben, Kiew bestritt eine Beteiligung aber immer.
Der Fall bleibt deshalb in zwei Ebenen gespalten. Auf der einen Seite stehen konkrete Ermittlungen, Verdächtige, Haftbefehle und eine seit Jahren verfolgte ukrainische Spur. Auf der anderen Seite stehen immer neue Recherchen über Hintermänner, Geheimdienste und mögliche Mitwisser, die das Bild verdichten, aber nicht abschließend gerichtsfest machen.
Genau darin liegt die eigentliche Brisanz dieses Buchs. Es liefert keine amtliche Endklärung, sondern verschiebt die Debatte erneut: weg von der Frage, ob Ukrainer beteiligt waren, hin zu der Frage, wer im Hintergrund plante, wer früh Bescheid wusste und wie nah westliche Dienste dem Anschlag tatsächlich kamen.
