Die Waffenruhe hat die Gefahr nicht beseitigt. Iran will die Straße von Hormus nicht einfach wieder freigeben, sondern die Passage an eigene Bedingungen knüpfen. Im Raum stehen Gebühren für Schiffe – auf einer Route, von der Öl- und Gasmärkte weltweit abhängen.

Der Plan ist seit Wochen sichtbar. In Teheran wird über ein Modell beraten, bei dem Staaten oder Reeder für die Nutzung der Meerenge zahlen sollen. Zugleich verlangt Iran weiter Genehmigungen für Transitfahrten und macht klar: Die Kontrolle über Hormus soll politisches Druckmittel bleiben.
Genau dort liegt der Konflikt. Die Internationale Seeschifffahrts-Organisation IMO warnt, eine Maut für internationale Meerengen wäre ein gefährlicher Präzedenzfall. Auch Großbritannien, Griechenland und andere Staaten pochen darauf, dass die Passage frei und nicht käuflich bleiben muss.
Die Brisanz ist enorm. Nach Daten der US-Energiebehörde liefen 2024 und Anfang 2025 mehr als ein Viertel des weltweiten seegestützten Ölhandels und rund ein Fünftel des LNG-Handels durch Hormus. Wer diese Route kontrolliert, kann Preise, Lieferketten und Versicherungen unter Druck setzen.
Für Reeder ist die Lage trotz Waffenruhe deshalb nicht normal. Reuters berichtete, der Verkehr sei zeitweise auf unter zehn Prozent des üblichen Niveaus gefallen. Maersk spricht weiter von Vorsicht und nimmt keine normalen Fahrpläne auf, solange die Sicherheitslage unklar bleibt.
Die eigentliche Frage ist jetzt nicht nur, ob Hormus wieder öffnet. Entscheidend ist, zu welchem Preis. Wenn Iran aus freier Durchfahrt ein Gebührenmodell macht, zahlen am Ende Reeder, Energieimporteure und Verbraucher – und zugleich würde Teheran seinen Einfluss auf die Weltwirtschaft ausbauen.
