Keine Rettung mehr für „Timmy“ – warum der Ostsee-Wal vor Wismar wohl sterben wird

Keine Rettung mehr für „Timmy“ – warum der Ostsee-Wal vor Wismar wohl sterben wird

Der Buckelwal vor Wismar lebt noch. Doch nach dem neuen Gutachten halten Experten weder Rettung noch Einschläferung für möglich.

Der Fall des Buckelwals vor Wismar ist nach Tagen neuer Hoffnungen praktisch entschieden. Auf einer Pressekonferenz auf Poel erklärten Fachleute, dass das Tier weder lebend geborgen werden noch sich aus eigener Kraft befreien könne. Damit ist die Rettung, auf die viele noch bis zuletzt setzten, laut Experten ausgeschlossen.

Der wichtigste Grund ist die Kombination aus extrem flachem Wasser und massiv geschwächtem Zustand. Der Wal liegt in einer Mulde fest, ragt teils aus dem Wasser und hat nach Einschätzung der Fachleute nicht mehr genug Kraft, um sich selbst freizuschwimmen. Auch ein steigender Wasserstand würde daran wohl nichts mehr ändern.

Noch vor wenigen Tagen war über einen letzten Rettungsversuch mit Spezialtechnik und sogar einem Katamaran nachgedacht worden. Diese Idee ist nun vom Tisch. Laut Gutachten wäre ein Transport für das Tier mit hoher Wahrscheinlichkeit tödlich. Aus einer riskanten Hoffnung wurde damit ein klares Nein.

Der Zustand des Wals hat sich über längere Zeit verschlechtert. Seit Anfang März war das Tier immer wieder an der deutschen Ostseeküste unterwegs, strandete mehrfach und wurde zunächst noch mit Bagger, Booten und anderen Mitteln in Bewegung gebracht. Inzwischen gilt es aber als zu schwach und zu krank für weitere Eingriffe.

Besonders heikel ist, dass auch eine aktive Tötung ausgeschlossen wurde. Nach dpa-Berichten wurden mehrere Möglichkeiten geprüft und verworfen. Der Grund: Bei einem so großen Meeressäuger ist die Praxis zu unsicher. Fachleute fürchten, dass eine Sedierung oder Tötung nicht kontrollierbar genug wäre und zusätzliches Leid verursachen könnte.

Deshalb bleibt vor Ort nur noch Begleitung statt Rettung. Feuerwehr und Einsatzkräfte halten die Haut des Tieres mit Wasser feucht, beobachten seine Atmung und sichern die Umgebung. Schon seit Tagen gibt es eine Sperrzone, damit der Wal möglichst wenig zusätzlichen Stress erfährt und in Ruhe gelassen wird.

Parallel läuft längst die Vorbereitung für die Zeit nach dem Tod. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus sagte, ein Konzept für die Bergung sei fertig und in der finalen Abstimmung. Vorgesehen sind Schiffe und Hebezeuge, später soll das Tier wissenschaftlich untersucht werden, um die genauen Ursachen zu klären.

Damit ist aus einem außergewöhnlichen Naturereignis ein trauriger Zeitungsfall geworden: ein junger Buckelwal, der sich in der Ostsee verirrte, mehrfach strandete und nun wohl nicht mehr zu retten ist. Die offene Frage lautet nicht mehr, ob „Timmy“ noch befreit wird, sondern nur noch, wie lange er noch lebt.