Donald Trump verschärft im Irankrieg fast täglich seine Sprache. Der US-Präsident droht Iran mit Angriffen auf Brücken und Kraftwerke, setzt ein neues Ultimatum und verknüpft den Konflikt inzwischen sogar mit religiösen Aussagen. Gleichzeitig laufen weiter indirekte Sondierungen. Genau das macht die Lage so gefährlich: Trumps Worte klingen wie die Vorbereitung auf die nächste Eskalation, seine endgültige Entscheidung bleibt aber offen.

Donald Trump verschärft den Ton im Irankrieg von Tag zu Tag. In den vergangenen Tagen drohte der US-Präsident offen mit Angriffen auf iranische Brücken und Kraftwerke und stellte Teheran ein neues Ultimatum. Reuters berichtete, Trump habe angekündigt, die USA würden Irans Infrastruktur ins Visier nehmen, falls kein Deal zustande komme und die Straße von Hormus nicht wieder geöffnet werde.
Die Wortwahl ist dabei längst Teil der Eskalation selbst. Trump sprach von „hell“ für Iran und kündigte einen „Power Plant Day“ und „Bridge Day“ an. Damit rückte er nicht nur militärische Ziele in den Vordergrund, sondern genau jene Infrastruktur, von der auch die zivile Versorgung abhängt. Das ist politisch und völkerrechtlich brisant, weil solche Angriffe weit über ein klassisches Drohbild gegen militärische Anlagen hinausgehen.
Hinzu kommt eine neue religiöse Aufladung. Laut Washington Post sagte Trump bei einem Briefing, Gott wolle, dass Menschen geschützt werden, Gott gefalle nicht, was gerade geschehe, und ihm selbst gefalle das ebenfalls nicht. Damit verlagert er die Rechtfertigung des Kriegs weg von strategischen Zielen hin zu einer moralisch-religiösen Erzählung. Für Kritiker ist das ein weiterer Schritt in Richtung ideologischer Eskalation.
Zugleich läuft hinter den Kulissen weiter Diplomatie. Reuters berichtet, dass Trump seine Frist für ein Abkommen mit Iran noch einmal bis Dienstag verlängert habe und parallel weiter über eine Öffnung der Straße von Hormus und Bedingungen für einen Deal gesprochen werde. Genau hier liegt der Widerspruch: Öffentlich setzt Trump auf Maximaldrohung, intern bleibt der Verhandlungskanal offen.
Besonders heikel ist die Debatte um das Kriegsrecht. AP berichtete, Experten und internationale Juristen sähen Trumps Drohungen gegen Kraftwerke und Brücken als möglichen Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht, falls daraus tatsächliche Angriffe auf zivile Infrastruktur würden. Auch die Präsidentin des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz mahnte laut Reuters, die Regeln des Krieges müssten in Worten und Taten eingehalten werden. Trumps Rhetorik hat die jurische und moralische Schwelle also bereits verschoben, noch bevor eine neue Angriffswelle überhaupt beschlossen ist.
Für Washington ist das auch innenpolitisch riskant. Trump versucht, Stärke zu demonstrieren, Härte gegen Iran zu zeigen und gleichzeitig offen zu lassen, dass ein Deal noch möglich ist. Diese Doppelstrategie kann kurzfristig Druck erzeugen. Sie birgt aber auch die Gefahr, dass Drohungen irgendwann nur noch durch Taten glaubwürdig bleiben. Je öfter Trump totale Zerstörung ankündigt, desto kleiner wird der Abstand zwischen Inszenierung und tatsächlicher Eskalation.
Die zentrale Frage bleibt deshalb offen: Blufft Trump, um Iran an den Verhandlungstisch zu zwingen, oder bereitet er die Öffentlichkeit bereits auf eine deutlich größere Angriffswelle vor? Im Moment spricht seine Rhetorik für maximale Eskalation, sein Verhalten aber noch nicht für eine endgültige Entscheidung. Genau diese Unsicherheit macht seine Tiraden so gefährlich.
