
Eine scheinbar kleine Grafik im Fernsehen hat in Deutschland eine große politische Debatte ausgelöst. In mehreren Sendungen zeigte das ZDF eine falsche Darstellung der Sitzverteilung im Landtag von Baden-Württemberg – und traf damit einen besonders sensiblen Nerv im ohnehin angespannten Verhältnis zwischen öffentlich-rechtlichen Medien und der AfD.
Der Fehler: In der Grafik wurden die Sitze zwar korrekt beschriftet, aber die Größen der Segmente stimmten nicht. Während die Grünen und die CDU jeweils mit 56 Sitzen dargestellt wurden, erschien die SPD mit zehn Sitzen fast so groß wie die AfD mit 35 Mandaten – obwohl die AfD tatsächlich mehr als dreimal so viele Abgeordnete stellt. Dadurch wirkte das Kräfteverhältnis im Parlament deutlich verzerrt.
Die fehlerhafte Grafik wurde laut Berichten gleich mehrfach ausgestrahlt, unter anderem im Online-Nachrichtenformat „ZDF heute live“ am Morgen sowie später in der Sendung „heute in Deutschland“. Erst danach fiel der Fehler auf.
Besonders in sozialen Netzwerken verbreiteten sich Screenshots rasch. Vertreter der AfD reagierten scharf: Sie warfen dem Sender vor, gezielt „Anti-AfD-Propaganda“ zu betreiben und die Partei bewusst kleiner darzustellen.
Das ZDF wies diese Vorwürfe entschieden zurück. Nachrichtenchef Thomas Heinrich erklärte, es habe keinerlei Manipulation gegeben, sondern schlicht einen technischen Fehler bei der Erstellung der Grafik.
Nach Angaben des Senders entsteht eine Wahlgrafik im TV nicht automatisch wie etwa in Excel. Stattdessen werden die Zahlen in mehreren Schritten in spezielle Grafiksysteme eingegeben. Dabei müssen Werte einmal für die sichtbare Beschriftung und ein weiteres Mal für die Berechnung der Diagramm-Segmente eingetragen werden. Genau an dieser Stelle sei ein falscher Wert eingegeben worden.
Das Problem: Die Software erzeugt die Segmente der Reihe nach. Wenn zuvor ein Wert zu groß eingegeben wird, bleibt für das letzte Segment – in diesem Fall die AfD – nur noch der verbleibende Rest übrig. So kann es passieren, dass die Zahlen korrekt angezeigt werden, die Proportionen aber trotzdem falsch sind.
Der Vorfall sorgte auch innerhalb der Politik für Kritik. Mitglieder des ZDF-Fernsehrats monierten, eine solche Grafik müsse vor der Ausstrahlung kontrolliert werden. Die Chefredaktion räumte ein, dass der Anteil der AfD „proportional zu klein“ dargestellt worden sei und kündigte eine interne Aufarbeitung an.
Für das ZDF ist der Fehler besonders heikel, weil das Vertrauen in Medien derzeit ohnehin stark diskutiert wird. Der Sender betonte deshalb, man habe den Fehler offen eingeräumt und wolle daraus lernen.
Der Fall zeigt, wie schnell eine technische Panne zur politischen Kontroverse werden kann – besonders dann, wenn es um Wahlzahlen, Parteien und die Glaubwürdigkeit der Medien geht.
